Mehr über FCoE

Mehr und mehr Blogger machen sich Gedanken um das Thema FCoE (Fibre Channel over Ethernet). Scott Lowe hat einen sehr guten Blog-Post über FCoE verfasst, der eine rege und überaus interessante Diskussion entfacht hat. Auch Chad Sakac von EMC hat einige sehr gute Informationen zum aktuellen Stand von FCoE zusammengestellt. Nachfolgend eine kurze Zusammenfassung für die Leser, deren Muttersprache nicht englisch ist.
Anscheinend gibt es Limitierungen in den bisher erhältlichen FCoE-Geräten, die die Verbindung zwischen Speichersystem und Server auf einen Hop limitieren, d.h. also Speicher und Server müssen an den selben Switch angeschlossen werden. Grund dafür war bisher (vor Fertigstellung des FCoE-Standards FC-BB-5) die fehlende Implementierung des FCoE Initialization Protocol (FIP), das für die Kommunikation via FCoE über mehrere Switches notwendig ist. Alle mit dem Kürzlich verabschiedeten FCoE-Standard (FC-BB-5) konformen Geräte müssen FIP implementiert haben, somit sollte diese Limitierung bald Geschichte sein.
NB: Der FC-BB-5 Standard befindet sich gerade in de Public Review Phase. Diese daurt 45 Tage, sollten in dieser Zeit keine Widersprüche laut werden, ist der Standard von der ANSI anerkannt. Zur vollen FCoE-Intergration auch in Ethernet fehlt noch die Anpassung der Ethernet-Standards, siehe auch einen meiner vorherigen Posts dazu.
Für Endkunden, die bereits FCoE nutzen, bedeutet das allerdings, sie müssen die bisher genutzten FCoE Targets updaten (von “pre-FIP” nach “FIP”). Da die Karten der ersten Generation auch als Target-Ports in Speichersystemen genutzt wurden, bedeutet ein Upgrade auch eine Beeinträchtigung der angebundenen Serversysteme. Durch die Architektur der “Generation 1″ FCoE-Karten mit getrennten ASICs für FC und Netzwerk, ist ein einfaches Software-Upgrade nicht möglich, in den Speichersystemen müssen die Karten komplett ausgetauscht werden. Können Sie “Downtime” sagen?
Sollte ich die aktuelle Lage von FCoE einstufen, so würde ich sagen “pre-production ready”.
Die Autoren derKommentare zu Scott Lowes Post unterstützen meine Meinung dahingehend, auch sie glauben, die Implementierungen müssten noch ein wenig reifen.
Für einige steht fest, dass Cisco (und nicht zuletzt auch NetApp) hier ein Produkt bzw. eine Technologie mit aller Gewalt in den Markt zu drücken versuchen. Und die Erfolge geben Ihnen mitunter Recht (ein Post zum Thema “Wie schaffe ich mir meinen eigenen Markt?” steht auf meiner Agenda), dennoch teile ich die Meinung von Chad Sakac (glauben Sie es oder nicht, er arbeitet wirklich für EMC ;-) :
“My 2 cents – I think it’s better for the vendor to suffer a little marketing positioning than it is to have a customer need to deal with any of the “new standard” mumbo jumbo.”
Die Frage nach dem Sinn oder Unsinn von FCoE bleibt nach der Lektüre der oben genannten und vieler weiterer Informationen weiterhin offen. Die Antwort differiert auch dahingehend, ob die abzubildenden Infrastruktur heterogen oder homogen ist. Speziell bei extensiver Nutzung von Servervirtualisierung, kann der Einsatz von FCoE Sinn haben (weniger Karten/Kabel pro Server, einfaches Management). Dann bleibt allerdings die Frage offen, warum man nicht gleich NFS über 10Gbit Ethernet nutzen sollte (was vielleicht auch die Problematik mit SCSI-Reservierungen auf den LUNs eliminert, allerdings andere Einschränkungen hat, z.B. kein SRM). Weiter muss in Betracht gezogen werdne, ob bereits eine FC-Infrastruktur vorhanden ist, ob 10Gbit Ethernet existiert, welche Geräte (Switches, HBAs, NICs, Speichergeräte) im Einsatz sind, um eine auf die Anforderung zugeschnittene ROI-Kalkulation erstellen zu können.
Zum Glück für uns Berater gibt es an dieser Stelle keine allgmeine Antwort auf die Frage “FCoE – ja oder nein?”, die allen Anforderungen gerecht wird, so haben wir auch in der derzeitigen Krise noch eine Daseinsberechtigung.

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