FCoE – Hype oder Realität?
[Disclaimer] Bitte freuen Sie sich nicht zu früh, dieser Beitrag wird die gestellte Frage nicht klären. Vielleicht regt er aber zum Nachdenken und kritischen Hinterfragen an.
Kunden fragen mich immer wieder, warum wir ihnen nicht empfehlen auf die FCoE-Technologie zu setzen. Die Antworten sind “Vendor Lock-In” und Kompatibilität.
FCoE ist derzeit kein ratifizierter Standard. Alle derzeit verfügbaren Implementierungen basieren auf einem – zugegebenermassen weit gediehenen – Entwurf, über den aktuell abgestimmt wird. Konkret heißt das, man kann Stand heute FCoE-Komponenten kaufen, die auch Stand heute zusammenspielen. Wenn man zukünftig Geräte kauft, die dem dann fertig gestellten FCoE Standard entsprechen, kann es zu kleineren (oder größeren) Problemen führen, da die älteren Geräte dem Standard nur zu 99% entsprechen. Bei den Preisen der FCoE-Komponenten ist genau dieses 1% aus meiner Sicht bereits zu viel Unsicherheit.
Zum besseren Verständnis von FCoE etwas Hintergrundinfo (High Level, vgl. Wikipedia):
FCoE basiert darauf, dass die Fibre Channel Layer FC0 und FC1 durch die entsprechenden Ethernet Layer ersetzt werden. Damit ist Fibre Channel ein ganz normales Protokoll über Ethernet (auf der gleichen Ebene wie z.B. TCP). Um das Problem der fehlenden Flusskontrolle im Ethernet Protokoll zu elimineren, sowie MAC-zu-WWN-Mapping und FC Frame-Enkapsulierung zu implementieren , wird der Ethernet Standard entsprechend erweitert .
Somit lassen sich Speichernetzwerke mittels bereits bestehender Netzwerkinfrastrukturen errichten. Sobald aller Speicherkomponenten auch FCoE-Schnittstellen besitzen, ist die Notwendigkeit eines dedizierten SANs in den meisten Fällen eliminiert. Aus meiner Sicht wird es jedoch immer noch Anwendungsfälle geben, in denen dedizierte Umgebungen mit einer Trennung von Daten- und Speichernetzwerk Sinn haben, um eine gegenseitige Beeinflussung zu vermeiden. Auch Sicherheitsaspekte könnten für ein Trennung der Infrastrukturen sprechen (Administration durch unterschiedliche Administratoren, unterschiedliche Klassifizierung der übermittelten Daten, etc.).
Jetzt, im Juni 2009, soll der FCoE-Standard ratifiziert werden. Damit ist der Startschuß gegeben für den Wettlauf der Hersteller. Genau wie bei der Adoption der Fibre Channel Technologie, erwarte ich eine gewisse Zeit der Inkompatibilitäten zwischen den Herstellern, da auch Standards immer wieder Raum für Interpretationen lassen. Durch strikte Kompatibilitätsmatrizen aller Hersteller wird es dann zunächst schwierig sein, Produkte verschiedener Hersteller miteinander zu betrieben und gleichzeitig den Support bei Problemen nicht mit “Der Matrix” winken zu sehen.
Sie meinen ich zeichne ein zu dunkles Bild der FCoE-Zukunft? Bitte sehr, ich lasse Ihnen gerne den Vortritt, um mich eines Besseren zu belehren.
Wer sich ein wenig Zeit lässt mit der FCoE-Implementierung, wird mit stabilen Produkten und signifikanten Vorteilen belohnt:
- Konsolidierte Backbone-Infrastruktur
- Ein Adapter pro Server für SAN und LAN (Converged Network Adapter – CNA)
- Geringere Administrationskosten
- Geringere Hardwarekosten
Abgesehen von der kurzen Phase der Festigung des Standard, wird FCoE das Speicherprotokoll der Zukunft sein. Und wer nichts gegen das Diktat der Hersteller hat, kann auch direkt kaufen, ich leite Sie gerne an unseren Vertrieb weiter.
Hier noch ein informativer Link zum Thema FCoE: Fibre Channel over Ethernet in the Data Center: An Introduction
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